Freitag, 2. März 2018

Das gute alte Tipp-Ex


von Sophie Lange
Bei meinem Beitrag „Ex ist in“ von voriger Woche erinnerte sich eine treue  Seniorenstories-Leserin an etwas, das mir bei dem ganzen Ex-Gedöns nicht eingefallen war. Ich hatte es quasi nicht auf dem Schirm, wie man heute so sagt, verständlich, denn es hat den PC-Bildschirm nie näher kennengelernt. Gemeint ist das gute, alte Tipp-Ex für die Schreibmaschine, das inzwischen längst zu einem ehemaligen Tipp-Ex geworden ist, also zu einem Ex-Tipp-Ex. 
Das kleine Papierstückchen hat viele gute Dienste geleistet und so soll es hier und heute posthum eine Ehrung erfahren. Ältere Sekretärinnen, auch Tippmamsellen tituliert,  erinnern sich sicher noch gut und gerne daran.
Beim Schreiben meines erstes Buches „Küche, Kinder, Kirche“ war es im stetem Dauereinsatz. Allzeit bereit lag es neben der Schreibmaschine. Hatte ich mich vertippt, wurde es vorsichtig zwischen Farbband und Blatt Papier gelegt und schwupps wurde der falsche Buchstabe ausgemerzt und richtig ersetzt.
Sollten aber mehrere Worte oder Satzteile versetzt oder geändert werden, waren die Fähigkeiten des Wunderstreifen überfordert. Dann hieß es: Schreibblatt rausziehen, zerknüllen und ab in den Papierkorb – wenn es auch meistens danebenging. Dann noch mal von vorne anfangen. Eine Sisyphusarbeit! So gesehen, habe ich das Manuskript bestimmt drei-, viermal geschrieben. Heute geht es am PC erheblich einfacher: löschen, ausschneiden oder kopieren, und das richtige Wort an der richtigen Stelle einfügen; alles geht so blitzschnell, dass ich manchmal das Gefühl habe, ich lösche mehr als ich schreibe. Dass dann doch etwas zustande kommt – ein reines Wunder. Trotz all der Mühen vergangener Zeiten betrachte ich die gute, alte Tipp-Ex-Ära mit Wehmut und Melancholie. Es war alles irgendwie geruhsamer, stressfreier.
Wenn auch die Schreibmaschine und damit das Tipp-Ex längst passé sind, in der Schule hat eine Korrekturflüssigkeit neben dem Tintenkiller noch Bedeutung. Dieses flüssige Tipp-Ex hat eine Sekretärin erfunden – wer sonst.
Eine andere treue Leserin erinnerte mich in einem Kommentar an eine andere Bedeutung von Ex. So schrieb sie: Darauf trinken wir einen - auf Ex natürlich.

Na dann Prost auf Tipp-Ex. Und Ex. 

Kommentare:

  1. Ein tolles Thema wieder ...
    ich sehe sie vor mir, alle Vorgänger vom PC, bei denen das Tipp-Ex direkt daneben lag. Bei der ersten alten ADLER (ein Monster an Gerät) gab es das noch nicht mal, da half nur übertippen oder fluchend rausziehen und neues Blatt einlegen und alles von vorne. Dann war es eine viel kleinere handliche Olympia und die weißen Blättchen mit Tipp-Ex erleichterten die Korrekturen enorm - sogar flüssig im Fläschchen gab es das bald - und um den Luxus zu maximieren, hatte ich gar bald auch eine elektrische Schreibmaschine mit Kugelkopf der Firma IBM. Und ... unglaublich aber wahr: wie ein zweites Farbband lief ein weißes Tipp-Ex-Korrekturband mit - das war Luxus pur.
    Aber irgendwann war der Kugelkopf müde - ich hatte ihn reichlich überstrapaziert und Sohnemann stellte seiner Alten einfach mal einen PC auf den Schreibtisch - und damit verschwand es endgültig.
    Wie der Name schon befürchten lässt - auf EX!
    LG gittarina

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    1. danke für den Kommentar, alles mehr oder weniger schöne Erinnerungen

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  2. In meinem Alltag regiert das Tipp-Ex in Form von Klebebändern, mit denen Fehler ausgemerzt werden. Denn trotz aller Technik scheint der Fehlerteufel sich immer gerne dann zu zeigen, sobald der Text ausgedruckt vor einem liegt. Und da Ressourcen sparen immer gut ist, ist Tipp-Ex auch heute noch Gold wert.

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  3. Das ist mir neu, was hat es mit den Klebebändern auf sich, das wüsste ich gern.

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