Freitag, 24. August 2018

Wie die Zeit vergeht


von  Sophie Lange

Kaum hat das neue Jahr angefangen, schon ist die erste Jahreshälfte vorbei. Der Sommer hat erst richtig zugeschlagen, schon fallen die ersten bunten Blätter von den Bäumen. Da haben wir gerade erst Weihnachten gefeiert, schon sind wir wieder auf der Jagd nach Geschenken.
„Eins. Zwei, drei! Im Sauseschritt
läuft die Zeit, wir laufen mit.“

So hat Wilhelm Busch es schon 1877 gedichtet und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ach du liebe Zeit! Am deutlichsten merken wir an den Kindern, wie die Zeit vergeht. Gefühlsmäßig gestern haben wir sie noch beim Spazierengehen am Händchen gehalten und heute sind sie uns schon über den Kopf gewachsen. Die Zeit enteilt wie im Fluge und das Schlimmste: Im Alter vergeht sie immer rasanter.

So wundern sich über 90 Jährige: Wo sind die letzten Jahrzehnte nur geblieben? Die Stunden, die Tage, die Monate, die Jahre, das ganze Leben? Alles ist nur noch ein Schatten.

Psychologen haben eine Erklärung gefunden: Je weniger Neues wir erleben, desto kürzer erscheint uns später die Zeit. Ist in einem Jahr also nichts Großartiges geschehen, so hat das Gedächtnis auch nichts gespeichert. Das Jahr hat quasi gar nicht stattgefunden.

Alles war irgendwie Routine, Tag für Tag der gleiche Alltagstrott, immer rund im Hamsterrad. Nichts Besonderes, was uns beeindruckt hat. Der Rat der Experten: Stets etwas Neues, Aufregendes beginnen, sich moderne Interessengebiete erschließen, neue Fähigkeiten erlernen, faszinierende Menschen kennenlernen, unbekannte Orte aufsuchen.

Sicher gibt es auch andere Gründe, wenn die Zeit davonfliegt. Wer sehr aktiv ist, aber doch nicht alles schafft, was er sich vorgenommen hat, jammert ebenfalls: Wie die Zeit vergeht.

Als Kind in Glück und Leid
schlich langsam mir die Zeit.
Als Jüngling stolz und kühn
spazierte sie dahin.
Als reifer Mann zuweilen
sah ich sie furchtbar eilen.

(Inschrift auf einer Glocke)

Donnerstag, 16. August 2018

Ein Kräuterstrauß


von Sophie Lange

Seit dem 15. August hängt im Flur ein großer Kräuterstrauß von der Decke, der still vor sich hin trocknet. Dieser Tag ist der katholische Festtag Mariä Himmelfahrt und er ist seit altersher mit dem Brauch verbunden, Kräuter in Feld und Flur zu sammeln, zu einem Strauß zu binden und im Haus aufzubewahren. Dort hält er nach überliefertem Volksglauben alles Unheil fern.

Der Strauß wurde bei unseren  Vorfahren in  der Kirche gesegnet, was heute nur noch selten geschieht. Nicht nur im Haus, sondern auch für Stall und Scheune wurde ein kleines Sträußchen abgetrennt. Der Bauer steckte sogar im Acker ein Ästchen, damit die Frucht reichlich gedieh. Schließlich sollte alles geschützt werden. Bei Gewitter und Unwetter verbrannte man einige der trockenen Pflanzen im Küchenherd und konnte so sicher sein, dass das Gewitter vorüberzog.

 Mit diesem Brauch waren früher viele Auflagen verbunden. So sollten die Kräuter vor Morgengrauen gepflückt werden und eine bestimmte Anzahl enthalten. Vor zirka hundert Jahren war die Zahl auf 77 oder 99 festgesetzt. Heute ist das nicht mehr durchführbar, denn so viele Kräuter wachsen längst nicht mehr in der freien Natur.

Bei einer Erkrankung kochte man von einigen Kräutern einen Tee, dazu musste man sich allerdings in der Kräuterkunde auskennen. Hier einige Hinweise:


Baldrian, - beruhigt bei Prüfungsangst und hilft beim Einschlafen,

Salbei lindert Halsschmerzen, Heiserkeit, aber auch Bauchkrämpfe

Beifuß kann man bei Magen und Darmbeschwerden einsetzen

Kamille und Pfefferminz sind altbewährte Mittel bei Unstimmigkeiten im Magenbereich

Wir fanden sogar eine stolze Königskerze, ein Heilmittel gegen Bronchitis.

Aber auch Küchenkräuter sind Heilkräuter und gehören in den Kräuterstrauß zu Mariä Himmelfahrt. 
So zum Beispiel Petersilie, ein Kraut das seinen Namen von Petrus (Stein/Fels ) und Sellerie hat. Es ist nicht nur ein Zierstrauß auf der Fleischplatte, sondern hilft als Heilmittel bei Blasen- und Nierenbeschwerden. Nach Kneipp ist dieses Küchenkraut sehr bewährt bei Wassersucht und wird bei Wasser in den Beinen empfohlen. Ein einfaches Hausmittel, das in manchem Garten wuchert und sogar im Blumentopf gedeiht.

Die Kinder singen zu Petersilie ein Verslein:
Petersilien Suppenkraut
wächst in unserem Garten,
unser Käthchen ist die Braut,
soll nicht länger warten.
Roter Wein, weißer Wein,morgen soll die Hochzeit sein.


Donnerstag, 9. August 2018

Heiße Luft

von Sophie Lange

Über den ersten heißen Tag freuten wir uns und hofften auf einen schönen Sommer. Doch die Tage wurden heißer und heißer und die Hitzeperiode zog sich hin. Bäume trockneten aus, Kreislauf geschwächte Menschen kippten um, Krankenwagen jagten durch die Stadt.
Und wie eine Gebetsmühle klang es von besorgten Menschen: Viel trinken, viel trinken, nicht in der prallen Sonne aufhalten, im Schatten bleiben. Da macht der Sommer doch keinen Spaß.

Dann sah ich im Fernsehen eine Moderatorin, die sich einen kleinen Handventilator vors Gesicht hielt. Der Wind pustete fröhlich ihre Locken durcheinander. Das war die Lösung. So etwas war genau das Richtige für mich. Am nächsten Morgen machte ich mich auf ins Städtchen, um so einen „Wirbelwind“ zu kaufen. Doch meine Enttäuschung war groß. Überall bekam ich zur Antwort: „Die kleinen Ventilatoren sind ausverkauft.“

Ich bat meine Schwester in der Stadt um Hilfe.
„Das ist hier in der Stadt sicher kein Problem“, meinte sie zuversichtlich. Doch abends musste sie zugeben: „Es ist, als ob ein großes Schild über der Stadt hängt: „Ausverkauft!“.
So quälte ich mich weiter mit der heißen Luft herum. Doch dann fiel mir etwas ein. Vor einigen Jahren hatte ich von einem Spanien-Urlaub einen Fächer mitgebracht, lila, groß, prachtvoll bemalt. Schon bald hatte ich ihn gefunden.

Jetzt sitze ich in einem schattigen Eckchen auf dem Balkon und fächere mir frische Luft zu. Es ist noch immer heiße Luft, aber es hat sich doch etwas abgekühlt.




Freitag, 3. August 2018

Rentner haben nie Zeit


von Sophie Lange

Gedränge an der Kasse eines Supermarktes. Meist ältere Menschen. Rentner. Und das am frühen Morgen. Plötzlich eine energische Stimme aus der Reihe der Wartenden: „Können Sie nicht mal die zweite Kasse aufmachen!“ Die Kassiererin reagiert unwillig und piepst: „Rentner haben nie Zeit!“ Dann grummelt sie etwas in ihr Telefon und dann: „Sie können schon mal an Kasse zwei auflegen.“ Mürrisch! Unfreundlich!
Flink wechseln die meisten von Kasse Eins zur Kasse Zwei und legen ihre Waren auf. Jetzt ist dort eine lange Schlange. Es kommt nur niemand von den Angestellten. Also eilen einige wieder zurück zur Kasse Eins. Geschiebe und Gedränge! Schließlich kommt die zweite Kassiererin. Freundlich und frohgelaunt. Wäre man nur besser an Kasse Zwei geblieben. Da geht es bestimmt jetzt mit Schwung los. Wieder zurück! Zeit ist Geld!
Die meisten frühen Einkäufer haben nur wenige Sachen im Einkaufswagen liegen. Tageseinkäufe oder nur ein Schnelleinkauf für das Frühstück. Nur eine Frau hat den Wagen pickpacke voll geladen. Wocheneinkauf für die Familie. Sie will gerade anfangen, ihre Einkäufe aufs Band zu legen, als von hinten jemand ihren Wagen zurück zieht und sich dann an die Frau vorbei drängelt. „Ich hab' nur ein bisschen!“ Er ist nicht der einzige, der nur „ein bisschen“ hat. Alle schieben sich jetzt vor.

Rentner haben nie Zeit. Eines der ungelösten Rätsel der Menschheit. Eigentlich müssten Ruheständler doch alle Zeit der Welt haben. Aber sie sind stets in Eile und bittet man sie um einen Gefallen, winken sie ab. Keine Zeit!  Ist das nun ein Vorwand oder ein Vorurteil oder ist da etwas Wahres dran?  Für alle trifft das bestimmt nicht zu. Doch nur zu oft kann man ungeduldige ältere Menschen beobachten, nicht nur im Supermarkt, sondern auch im Wartezimmer beim Arzt, im Bus, im Café, im Restaurant. Gepaart ist die Eile mit mürrischem Geschimpfe. Im Ruhe – bzw. im Unruhestand jagen besonders Männer stets der Zeit hinterher. Vergeudete Zeit aufholen! Begrenzte Lebenszeit verlängern und sinnvoll nutzen.
Zurück in den Supermarkt. Endlich ist auch die Frau mit den Wocheneinkäufen durchgeschleust. Auf dem Parkplatz staunt sie jedoch nicht schlecht. Da stehen doch tatsächlich die Rentner, die es vorher so eilig hatten und diskutieren lautstark. Um Fußball geht es, soviel kriegt die gute Frau mit. Jetzt haben die Herren der Schöpfung auf einmal doch Zeit.

Übrigens:
In der Eifel werden Menschen, die es besonders eilig haben  mit dem Satz abgebremst: „Musst Du heut' noch in et Heu?“ Nun ist die Eifel längst nicht mehr so bäuerlich geprägt wie vor Jahrzehnten und nur die wenigsten müssen das Heu vor dem nächsten Regenguss ins Trockene bringen. Aber der Satz hat sich im Volksmund fest etabliert: „Musst du heut' noch in et Heu?“ Eigentlich nicht …

                                                                       

Freitag, 27. Juli 2018

Der Duft der Äpfel

von Sophie Lange

Wenn ich im Supermarkt Äpfel kaufe, staune ich stets, wie glänzend rot diese sind. Wie poliert, wie frisch gebohnert. Diese Rotbäckchen haben nicht das kleinste Fleckchen. Sie sind makellos! Und doch fehlt dem Prachtexemplar etwas.

Ich denke zurück an meine Kindheit. Im Spätsommer und im Herbst mussten wir Kinder schon in aller Herrgottsfrühe in der Hauswiese die über Nacht von den Bäumen gefallenen Äpfel auflesen. Es war kalt am frühen Morgen, doch es war auch traumhaft schön durch den Morgentau zu stiefeln, das Fallobst aus dem nassen Gras zu klauben und in einen Korb zu füllen. Die Äpfel waren klein, blass und mit dunklen Punkten bedeckt. Einige waren wurmstichig. Diese ließen wir liegen für die Kühe, die nach dem Melken aus dem Stall in die Wiese getrieben wurden. Die ganz faulen Äpfel vermoderten mit der Zeit.
Die Äpfel waren nass und kalt von der Kühle der Nacht und manchmal klebten zarte Grashalme daran. Das Besondere an den Äpfeln aber war ihr Duft. Sie dufteten nach Natur, nach Nacht, nach Morgen, nach Tau, nach Frische, nach Apfel. Die roten Supermarktäpfel riechen nach gar nichts.
Wenn wir mittags nach Hause kamen, rochen wir gleich, dass die Mutter von den Äpfeln Kompott gekocht hatte. Ein unvergleichlicher Duft! Besonders freute ich mich, wenn es Himmel und Erde gab, ein Gericht mit Kartoffeln aus der Erde und Äpfeln von Bäumen, die in den Himmel ragen. Himmel und Erde in einem Topf vereint! Etwas Größeres kann es doch gar nicht geben. Der Duft des Weltalls und der Erdgeruch verbanden sich zu einem Duft aus einer anderen Welt. So eine Speise musste man andächtig essen. 

Ich nehme einen Apfel, reibe ihn am Ärmel blank, schnuppere daran. Ein bisschen riecht er nach Erinnerung.

Übrigens
Das Gericht „Himmel und Erde“ ist ganz einfach zu kochen.

Himmel und Erde


Zutaten: 1 kg mehlige Kartoffeln,
1 Teel. Salz,
1 kg säuerliche Äpfel,
2 Eßl. Zucker,
125 g Räucherspeck,
2 Zwiebeln,
500 g Hausmacher Blutwurst
Mehl
Die geschälten Kartoffeln in Salzwasser gar kochen, abgießen und sofort zerstampfen. Äpfel schälen, vom Kerngehäuse befreien, in Vierteln schneiden und mit ganz wenig Wasser und dem Zucker musig verkochen. Den klein geschnittenen Speck auslassen, die Zwiebelringe hinzugeben und hellgelb braten. Den Kartoffelbrei mit dem Apfelmus vermischen und mit dem Schneebesen sehr sahnig schlagen, evtl. mit etwas Butter, Milch oder Sahne abschmecken. Speck-Zwiebel-Gemisch unterheben. Die Blutwurstscheiben in Mehl wenden und in dem Speck-Zwiebel-Bratfett pro Seite 2 Minuten braten und auf den Eintopf geben.

Wer keine Blutwurst mag, kann dazu ein Spiegelei essen – oder Würstchen - oder Frikadellchen - oder – oder....


Freitag, 20. Juli 2018

Offener Brief an Gott, Himmel


von Sophie Lange

Sehr geehrter Herr Gott,

das ist eine Beschwerde über Ihren Angestellten Petrus, den Wettermacher. Das Wetter bei uns ist eine Katastrophe, Ka – ta – strophe. Und dafür ist doch dieser Typ im Himmelstor Eins verantwortlich.

Anfang des Jahres gab es häufig Starkregen. Ich habe zehnmal nasse Füße bekommen, und meine besten Schuhe sind im Eimer. Dann traten nach der kalten Sophie noch Nachtfröste auf und die meisten meiner Balkonpflanzen sind erfroren. Die ich noch gerettet hatte, sind jetzt vertrocknet. Es ist viel zu heiß! Sag dem Petrus doch mal, er soll sich bei Google Earth einloggen, dann kann er sehen, wo das Rheinland liegt. Hier ist doch  keine Wüste. Mannmannmann! Und wenn er mit der modernen Technik nicht zurecht kommt, soll er ein Engelchen um Hilfe bitten. Die jungen Leute kennen sich aus mit so etwas.



Nun unsere ganz konkreten Vorschläge zum Wetter:

Nicht zu nass und nicht zu trocken!

Nicht zu heiß und nicht zu kalt!

Nicht zu stürmisch und nicht zu windstill!

Kein Mistwetter!

Kein Sauwetter!

Kein Sch....wetter!

Bitte ganz normales Wetter, wie es früher einmal war.



Und wenn Petrus das nicht mehr auf die Reihe kriegt, schmeiß ihn raus. Aber bitte nicht auf die Erde. Wir haben hier schon genug alte Leute und das ganze Renten- und Pflegesystem bricht eines Tages zusammen.



Nun viele Grüße von der Erde

und maach et joot, levver Jott!



Eine Million Menschen haben diese Petition unterschrieben.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Hochdahl - alt und neu


von Anne Pöttgen
Dieser Beitrag sollte vor genau einer Woche erscheinen, aber es kam leider ein Krankenhausaufenthalt dazwischen. Ab Freitag geht es dann im alten Rhythmus weiter.

Ich wohne seit genau fünf Jahren in Hochdahl, einem Teil des Städtchens Erkrath, östlich von Düsseldorf. Hört sich unspektakulär an, aber es gibt viel zu erzählen.

Die Stadt Erkrath und die Nachbarstadt Mettmann streiten sich darum, auf wessen

Gebiet der Neandertaler gefunden wurde. Das Neandertal, durchflossen von der Düssel, beginnt definitiv am Rand von Erkrath, Mettmann liegt um einiges entfernt oberhalb vom Tal. Da aber Mettmann Kreisstadt ist, haben wohl beide Recht. Für mich ist interessant, dass ich zwei Kilometer Luftlinie entfernt vom Fundort des Neanderthalers wohne. Soweit zu ganz „alt“. 

„Neu“ ist ganz Hochdahl. Vor nicht allzu langer Zeit gab es auf dem Stadtgebiet nur einzelne Höfe, an die jetzt noch durch Straßennamen erinnert wird. Einer davon¸ der Hof Hochdahl, gab dem ganzen Ort den Namen. In den sechziger Jahren platzte das nahe Düsseldorf aus allen Nähten, machte sich Hoffnung auf die Eingemeindung des Gebietes, das tatsächlich irgendwo an Düsseldorf grenzte. Das ist heute nicht mehr so: Zwischen Düsseldorf und Erkrath wurden Stadtteile getauscht und für Düsseldorf war der Traum von der Eingemeindung ausgeträumt.

In Hochdahl wuchsen Hochhäuser über Hochhäuser für die Wohnungsuchenden heran. Das führte dazu, dass Hochdahl inzwischen mehr als 27.000 Einwohner hat, die Mutterstadt Erkrath bringt es auf 46.000 einschließlich Hochdahl. Da reichlich Grund und Boden zur Verfügung stand, haben die klugen Stadtväter dafür gesorgt, dass Baumgruppen und sogar kleine Wäldchen erhalten blieben. Auf einer alten Topographischen Karte sind die Wälder, Felder und Höfe noch gut zu erkennen.

Hochdahl ist ein grüner Ort, was von oben gut zu erkennen ist. 

Hochdahl hat nämlich auch ein Oben, das ist die südliche Höhe des Neandertals. Da ganz oben gab es einen der ersten Bahnhöfe Deutschlands. Mit dem Bau der Strecke wurde 1838 begonnen. Fabrikanten des nahen Wuppertal brauchten einen Weg, um ihre Waren an den Rhein zu bringen, von wo aus sie in alle Welt gingen.

Die Bahnstrecke Wuppertal – Düsseldorf war bis vor kurzem die steilste Strecke Europas. Von der Rheinebene mit 38 Meter über Normal, bis zum Bahnhof Hochdahl mit 75 Metern musste der Zug mit einer Seilzuganlage gezogen werden. Es war eine Steigung von 33 Prozent zu überwinden. Ein kleines Museum im alten Lokschuppen erinnert heute daran. 

Der Bau der Strecke war Anlass zum Bau einer Eisenhütte. Wie das? Es wurde

Eisenerz gefunden, abgebaut und von 1847 bis 1912 verhüttet. Der Bürgerverein Hochdahl berichtet, dass in den besten Zeiten der Hütte mehr als hundert Menschen beschäftigt waren. Heute erinnern noch einige Straßennamen südlich der Bahnstrecke an die Zeit der Hütte Eintracht: Hüttenstraße, Stahlstraße, oder Bessemerstraße. Soweit zu „neu“. 

Zu „alt“ ist aber noch etwas Wichtiges zu bemerken. Ich wohne an einer Straße, der Sedentaler Straße, die im Mittelalter Teil einer Handelsstraße war, der strata coloniensis. Sie führte auf verschiedenen Trassen, meine hier ist die Trasse Nummer drei, von Köln nach Essen. Genauer gesagt nach Werden, zur Reichsabtei Werden. Nördlich davon endete sie auf dem viel älteren Westfälischen Hellweg. An vielen Stellen im Raum Düsseldorf und Erkrath sind die Trassen heute noch zu erkennen. 

Aus der „Straße“ ist allerdings ein Feldweg geworden. Meine Nummer drei führte durch die Gegend, die heute Hochdahl heißt, über die Höhe, nahe am heutigen Bahnhof vorbei, hinunter ins Neandertal und wieder hinauf nach Mettmann¸ weiter über die Höhen des Niederbergischen Landes nach Werden.